15 Jahre echokammer

15 Jahre echokammer
Das Münchner Undergroundlabel feiert Geburtstag.

Es spielen live „Dizzy Errol“, „Tom Wu,“ Parasyte Woman“ und „Das Weiße Pferd“
im Anschluss Ding mit dem Labelgründer Albert Pöschl und Freunden
In der Echokammer ist immer was los. Nicht nur überschneiden sich die einzelnen Projekte in personeller Hinsicht bisweilen derart, dass selbst die Beteiligten oft nicht wissen, wo sie denn nun mitgespielt haben – auch in musikalischer Hinsicht machen es die Echokammer-Acts den Verwaltern schon Schubladen und Genre-Zuschreibungen alles andere als leicht. Dementsprechend mannigfaltig geht es bei dieser Geburtstagsparty dann auch zu.
Es treten folgende echokammer Acts auf:

Dizzy Errol präsentiert an diesem Abend zum ersten Mal in München live sein neues Album „What comes next“. Als Erol Dizdar auf einem Schiff im Hafen vom australischen Melbourne geboren, soll er sich gleich eingangs dem türkischen Vater und der deutschen Mutter als derart stimmgewaltiges Naturschauspiel gezeigt haben, dass der Legende nach die gesamte Besatzung nächtelang um den Schlaf gebracht wurde. Das Englische sollte ihm aus der australischen Kindheit erhalten bleiben. Auch als man ihm das erste Mal in einem antiautoritären Jugendtreff in München begegnen konnte fielen sofort sein lauter Auftritt und Ausdruck im Sprechen und die ursprüngliche kindliche Euphorie auf, alles schien ein großer Spaß zu sein. Es war nicht immer Alles Spaß im Dizzy Errol Land, man sah ihn auf Baustellen und in Druckereien, in der Fabrik, im Altersheim und in der Nachtschicht. Aber das Spielen, zur Zeit fast täglich als Strassenmusiker bei „Konnexion Balkon“ und sein grosses musikalisches Talent war immer da, die Liebe zur Popmusik auch.

Tom Wu ist singender Schlagzeuger (u.a. auch für die „Hidden Cameras“), seine Musik ist düster, hypnotisch und psychedelisch. Sein physisches Trommeln bildet den Kontrapunkt zu seiner entrückten, flehenden Stimme, die immer etwas zu betrauern scheint. Seine Lieder, dem strengen Dogma des Minimalismus verschrieben, bestehen in den meisten Fällen aus einer wuchtigen Synthesizer- Bassmelodie, gewürzt mit lofi Soundflächen und Flötenarrangements. Der Rest ist Rhythmus und Stimme. Seine Musik klingt modern, verweist aber immer wieder auf orchestrale Experimente der 60er Jahre. „Ist München jetzt das neue New York? Inmitten der von der Sonne verwöhnten Schicki-Micki-Hochburg erschafft Tom Wu derart dunkle, bedrohliche Song-Monster, als wäre das Monaco Bayerns der Großstadt-Moloch des neuen Jahrtausends. Dazu erzählt er mit verhallter Stimme Außenseitergeschichten von Einsamkeit und sexuellem Verlangen. Da passt es nur zu gut, dass er auch Velvet Underground durch seine Synthies treibt, die einst die dunklen Ecken von New York erkundeten.“ (Hardy Funk, Skug)

Parasyte Woman sind ein Duo (Live ein Trio mit Tom Wu am Schlagzeug), bestehend aus Tobias Laemmert, der als „Protein“ vor Jahren auf „Gomma“ und aktuell auf „Schamoni Records“ ein liebevoll ausdetailliertes Soundpuzzle entworfen hat und Manu Rzytki aka Relle Büst, sonst auch aktiv bei G.Rags „Landlergschwister“, „Salewski“ oder dem Kamerakino-Kollektiv. Würde man sich die Musik von Parasyte Woman im Kino anschauen wollen, säße man in einem abgelegenen Hinterhofkino, in dem ein B-Movie-Double-Feature läuft:erst ein Horrorfilm, der im wilden Westen spielt, und dann ein Science-Fiction-Film mit tanzenden Pflanzen von der Venus. Ein ungeheuerlicher Organismus ist diese Musik. Je tiefer man in ihn vordringt,desto mehr wähnt man sich in einem schwül fletschend und schmatzenden Dschungel.Schlägt hier das Herz der Finsternis? Ein Synkretismus aus Black Music und Vaudeville, Triphop und Oper, Witch House und Boogie, Dub und Pop.Ob Weltuntergangs- oder Aufgangsmusik, das ist noch unklar. Klar ist: PARASYTE WOMAN ist Traummusik, Nachtmusik.

Das Weiße Pferd sind die Nachfolgeband der stilprägenden Münchener Underground Band Kamerakino – u.a. Experimentierstube für später zu Erfolg gelangten Musikern wie Nick McCarthy von Franz Ferdinand, Polly Ester alias Pollyester. Beim „Das Weiße Pferd“ handelt es sich um ein mittlerweile 7 köpfiges Bandkollektiv um den Poeten und Sänger Federico Sanchez, das man live erlebt haben sollte, um eine Ahnung von der Münchner Subkultur 2015 zu haben. Hier ein paar Meinungen der deutschen Presse:
»Diese Band ist das Hier und Jetzt; diese Band spielt in derselben Liga wie die Goldenen Zitronen oder Bonaparte.« (Karl Bruckmaier / Süddeutsche Zeitung) / »Ein großer deutscher Popmoment.« (SPEX Magazin) / »Die bohemehafte Patzigkeit des Unangepassten. Allweil lässig, mit Lust aneckend.« (Thomas Mauch, taz)

Einlass: 20:00 Uhr / Beginn: 21:00 Uhr / Karten: 10,00 Euro (Abendkasse), 5,00 Euro (nach den Konzerten)
*** Reservierungen können nur Montag bis Freitag angenommen werden