Konzert: Burkini Beach / angela Aux

Burkini Beach

Es ist eine beklemmende Welt, die Rudi Maier (aka Burkini Beach) auf seinem ersten Solo-Album „Supersadness Intl.“ zeichnet. Entwaffnend direkt erzählt der 26-Jährige von Selbstzweifeln, Depressionen und gescheiterten Beziehungen. Dabei schwingen immer so viel Selbstironie und schwarzer Humor mit, dass es nicht weinerlich oder gar klischeehaft klingt.

Die letzten Jahre verbrachte Maier als Sänger und Gitarrist des Duos The Dope damit, markerschütternden Indie-Punk zu machen. In dieser Zeit veröffentlichte die Band zwei hoch gelobte Alben und tourte mit Bands wie Warpaint, Band of Skulls, Cursive, etc.

Aber das ist nur eine Seite von Maier. Die andere zeugt von seiner Liebe zum Fragilen, zu raffiniertem Storytelling, zarten Melodien und unaufdringlichen Pop Hooks.

Maier begann als Produzent zu arbeiten und verbrachte einige Zeit in London, wo er die ersten Ideen für sein Solo Projekt Burkini Beach sammelte. „Zunächst gar nicht mit der Intention, das irgendwann mal jemandem zu zeigen, geschweige denn es zu veröffent-lichen, sondern nur als Zeitvertreib/Übung/Therapiestunde für mich selbst“, wie Maier sagt. Schließlich hat er sich doch dazu entschieden, die Songs mit der Welt zu teilen und ein Solo-Album aufzunehmen.

Die Arrangements auf „Supersadness Intl.“ sind bewusst karg gehalten, die Instrumen-tierung ist spärlich. „Ich wollte um jeden Preis vermeiden, in die Kitsch-Falle zu tappen“, sagt Maier. „Bei Akustikgitarren-Kram ist das ein ganz schmaler Grat zwischen schmalzig und okay.“ In diesem Fall entstand ein klaustrophobisches Kleinod, das an

Genregrößen wie Elliott Smith, Mark Kozelek oder auch Sufjan Stevens erinnert. Ein atmosphärisch dichtes Werk von bisweilen schmerzhafter Intensität, welche Maier aber mit spitzbübischem Vergnügen und unter Einsatz von textlichen und musikalischen Pointen immer wieder aufzubrechen vermag.

Auch die Produktion war ein sehr intimer Prozess. Eingespielt hat Maier die Songs größtenteils alleine in seiner kleinen Berliner Wohnung. Freund und Weggefährte Simon Frontzek (Tomte, Sir Simon) hat Klavier beigetragen und das Album gemischt. Das Mastering wurde von Doug van Sloun übernommen, der schon für Bands wie Bright Eyes, Kings of Convenience oder First Aid Kit gearbeitet hat.

Nach einigen Vorab-Singles – darunter „The World At Our Fingertips“, das mittlerweile bei über 200.000 Spotify Plays steht – erscheint „Supersadness Intl.“ nun am 19. Mai. Im Eigenverlag versteht sich – der einzig vorstellbare Vertriebsweg für ein so persönliches Album.

Support: Angela Aux

Angela Aux reduziert sich auf seiner neuen Platte „Wrap Your Troubles In Dreams“ auf die Essenz des Folk-Sounds der 70er und schafft ein nachdenkliches, dichtes Stück textorientierter Musik.

Angela Aux ist ein Künstler der Gegensätze, ein Künstler des Spiels mit der Identität, ein Shape-Shifter. Er balanciert zwischen Wu-Tang-Shirt und Mädchen-Perücke, zwischen Haiku und Dostojewski. Ein Kopf der zu viel fassen kann um nur eine grade Linie zu verfolgen – und Angela Aux ist ein Songwriter der den Namen noch verdient, ein Textmensch, ein übervolles Notizbuch, ein Dichter der alten Schule, aufsaugend und ausspuckend, zu sensibel für all den Scheiß da draußen, zu energiegeladen um sich ihm nicht zu stellen.

„Wrap Your Troubles In Dreams“ heißt die nun dritte Platte des Münchners: Ein bewusst reduziertes, in sich unheimlich stimmiges Folk-Album voll kleiner unvergesslicher Melodien und präziser Aphorismen. „Es ist eine sehr innerliche Platte“, sagt Angela Aux. „Die Texte sollen Menschen zum Denken anregen. Es ist etwas zwischen Erich Kästner und Allen Ginsberg, es geht um Identität, darum, dass man immer etwas Anderes sein will als man ist.“

Virtuos wechselt Angela Aux in seinen Songs die Erzählperspektiven, stellt sich vor Spiegel, kriecht in die Träume, Ängste und Seelenzustände westlicher Gegenwarts-Menschen. So besingt Angela Aux im „Big City Blues“ den Großstadt-Existenzialismus, in „Help Me Out“ wünscht er sich in Tagträume und Schatten um der eigenen Identität ein kleines Stück näher zu kommen während der „Fucked Up Blues“ am Neurotizismus unserer Wohlstandsgesellschaft kratzt. So entsteht ein dichtes Netz aus pointierten, gleichwohl poetischen wie scharfzüngigen Kommentaren zum doch irgendwie verkorksten Zeitgeist.

Die Musik auf „Wrap Your Troubles In Dreams“ lässt den Texten Platz ihre langsame Wirkung zu entfalten. Gitarre, Gesang, Klavier, Streicher, hier und da umspielt von ein wenig elektronischer Feinheit und Field-Recordings. Kein Schnick-Schnack, kein Bombast, dafür Platz zum Atmen, Denken, Atmen. Aufgenommen wurde die Platte auf die warmherzige Bandmaschine von Nico Sierig (Joasinho, Instrument), der einen Sound gebastelt hat der an die ikonischen Alben von Elliot Smith oder Nick Drake denken lässt, ein Sound der seine Zeit braucht, dann aber umso kräftiger durch Adern und Gehirnwindungen schwingt und noch lange nachhallt.

15.6.2017 / Einlass 19:30 Uhr / Beginn 20:30 Uhr

 VKK 10€ zzgl. Gebühren / Reservierung 11€ (reservierung@milla-club.de, begrenztes Kontigent) / Abendkasse 13€