Konzert: LischKapelle // Nikolaus Wolf

LischKapelle

5:30  Uhr.  Die  blaue  Stunde  am  Chiemsee.  Fototermin  der  LischKapelle.  Karin,  Andi,  Susi  und  Matthias  stehen  still  auf  dem eisblauen  Wasser.  Über  dem  See  wabern  noch  die  morgendlichen  Nebelschleier,  vereinzelte  Fischerboote  sind  die  ersten  Vorboten des  anbrechenden  Tages.    Eigentlich  haben  die  vier Musiker  bereits  alle  Fotos  für  ihr  neues  Album  im  Kasten – so  richtig  loslassen kann  aber  keiner  von ihnen  diese  Stimmung  vor  dem  Sonnenaufgang.  Alle  vier  genießen  es,  sich  in  die  Stimmung  fallen  zu lassen und durchzuatmen,  nebeneinander  und  doch  jeder  für  sich  allein.
Das   zweite   Album   der   vier   Musiker   ist   fertig. „How   We Struggle“   haben   sie   es   getauft.   Unter   die jugendliche   Unbeschwertheit   und   Aufbruchsstimmung   seines   Vorgängers   „08621“  haben   sich   neue Klangfarben  gemischt,  melancholischere, Bavaro  Indie  im  „Mood  Indigo“. Es  geht  um  Themen,  die  ihnen  am Herzen  liegen:  Ansprüche, Zeitdruck,  die  Flüchtigkeit  der schönen und  unbeschwerten  Momente.  Die Euphorie  der  ersten Unabhängigkeit  von  „dahoam“ ist  verklungen. Neue   Leidenschaften   haben   sich   entwickelt. Gereift   klingt   das,   vielleicht   ein  bisschen   erwachsener. Und  sehr  stimmig.
Die  Vier  sind  ganz  unterschiedliche  Charakterköpfe.  Nach  ihrer  gemeinsamen  Schulzeit hat jeder  von ihnen  neben  der  Band  eigene Pfade beschritten.  Deswegen  haben  sie  sich  Geschichten  zu  erzählen, wenn   sie  zusammenkommen. Sie   teilen   die   zentralen   Konflikte   des   Erwachsenwerdens,   die   die  Inspirationsquelle   für   ihr   zweites   Album   sind: Jeder   von   ihnen   hat   Songs   für   „How   We   Struggle“  geschrieben,  die  gleichen  Probleme  und  Fragen  in  eigene  Worte gefasst.
Deutlich  zu  erkennen  ist  das  an Stücken  wie  „Ulysses“  und  „Don’t  Slow  Me  Down“.  In  beiden  geht  es um   Ambitionen,   Ehrgeiz   und   Karrierestreben – jedoch   aus   völlig   unterschiedlichen   Perspektiven: „Ulysses“   ist   angelehnt   an   die   Irrfahrt   des   Odysseus   und   dessen   innere   Getriebenheit   und Rastlosigkeit.   Sirenengleich   locken   die   Gesänge   von   Karin   und   Susi   aus   der   Ferne   zu   immer   neuen Versuchungen.  In „Don’t  Slow  Me  Down“  dagegen  geht  es  um  das  uneingeschränkte  Bekenntnis  zu seinen   eigenen   Zielen   und   Träumen.   Unabhängig   davon,   was   andere   davon   halten.  Folksongs  mit treibenden   Beats   („Shoot   Me“)   wechseln   mit   tanzbaren   Popsongs   („Just   Like   That“)   und  introvertierten  Balladen  („But  I  Do“).

Zusammengehalten   wird   alles  von   der außergewöhnlichen Instrumentierung: Gitarre,   Klavier   und  Blechbläser,  dazu  eine    Steirische  Harmonika, an  die  sich  der  komplexe  Dreig’sang  schmiegt, prägen den Klangcharakter  der  LischKapelle. Zum  ersten  Mal  ist  auf  „How  We  Struggle“  auch  ein  Schlagzeug  dabei. Das  sorgt  nicht  nur  auf dem  Album  für  neuen  Groove,  sondern  zeigt auch auf  der  Bühne  eine noch   unentdeckte,   treibende und   energetische Facette.  Mit   großer   Live-­Besetzung   erinnert   die LischKapelle so  ein  wenig  an  eine  Mischung  aus  „Of  Monsters  And  Men“  und  „Mumford  & Sons“. Nur eben  ein  bisschen  eigensinniger,  mit  eigener  Klangfarbe.  Sehr  weltgewandt,  aber  trotzdem  von  einer hinreißenden Intimität.
Mit   ihrem besonderen   Sound   hat   sich   die   LischKapelle   bereits   eine   beachtliche   und   treue Fangemeinde   erspielt. Das  beweisen   zahlreiche   ausverkaufte   Konzerte   (u.a.   im   Milla   Liveclub   in München  und  im  Café  LiBella  in  Altenmarkt)  und umjubelte Festivalgigs  (u.a.  Kuahgarten  OpenAir  bei Wasserburg, Brasswiesn in   Eching).   Das   erste   Album   wurde   mit   einer   Crowdfunding -­ Kampagne finanziert,  bei  der  Fans  mehr  als  6000  €  zu  den  Produktionskosten  beisteuerten;  das  Video  zur  ersten Single   „Need   To   Let   It   Go“   des   Debuts   wurde   fast   18.000   Mal   auf   YouTube   geklickt.   Sowohl Süddeutsche   Zeitung   als   auch   der   Bayerischer   Rundfunk   wählten   die   LischKapelle   bereits   als   ihre „Band  der  Woche“.  Das  „BY-­on  Förderprogramm  für bayerische  Rock- ­und Popbands“  fördert  die  vier Musiker  seit  nunmehr  fast  zwei  Jahren.

Nikolaus Wolf

Sie liest sich wie ein Dessert aus der Schweiz und klingt wie ein Spaziergang in einer englischen Kleinstadt. Dabei entstand die erste EP Roekki Zimt von Nikolaus Wolf in der ländlichen Idylle Bayerns. Mit der aktuellen Heimatwelle hat der 31-jährige jedoch nichts zu tun. Er ist im Folk, im Britpop und generell in den 60er Jahren zu Hause, klingt mal so traurig wie Elliott Smith, mal so cool wie Liam Gallagher und mal so schön wie John Lennon. Und eigentlich heißt er ja Michi Rieder, dieser überaus nette und herrlich entspannte Typ aus dem Chiemgau, der auch in früheren Bands und Projekten als Songwriter mitmischte. Als Künstler leiht er sich den Namen seines Uropas aus. Nikolaus Wolf klingt spannend, eigenwillig und ein bisschen seltsam. Das gefällt dem Musiker, der auf dem Land urbane Klänge kreiert und ganz nebenbei auch schon zweifacher Familienvater ist. Passend dazu wackelten schon 2016 zahlreiche Babys in einer europaweiten Werbekampagne von Lidl zu „Human Lights“ durchs Bild. Auch für Film hat der Singer-Songwriter schon komponiert. War Nikolaus Wolf live bisher immer solo unterwegs, wird er im Zuge des EP Releases vorwiegend mit Band auf Tour sein.

 

08.03.2017 / Einlass: 19:30 Uhr / Beginn: 20:30 Uhr / Karten: VVK: 12 Euro zzgl Gebühren / Reservierung: 13 Euro (reservierung@milla-club.de, begrenztes Kontingent) / Abendkasse: 15 Euro

Karten – HIER!