Konzert: Phil Vetter / Goya Royal

Backyard Variations. Phil Vetters siebter Eigenbrötler-Pop-Longplayer

Mit Backyard Variations gelingt Phil Vetter eine siebte eigenwillige Meister-LP. Schon seit seinem Solo-Debüt 2006 schafft er es in echt, mannig-faltige Spielarten zu einem homogenen Eigenbrötler-Pop zu verweben. Nie bedeutete der Begriff Singer-Songwriter bei ihm die Reduktion auf folkige Gitarre und hingebungsvollen Message-Transporter-Gesang.

Backyard Variations klingt wie etwas, das sorgfältig aus schönen Din-gen zusammengesetzt wurde, die man auf dem Flohmarkt fi nden kann. Durch seinen weit geöff neten spielerischen Ansatz vermag es Phil Vet-ter auch große Themen wie Liebe, Tod, Erfolg oder Scheitern, frei von Pathos, auf dem Rücken seiner befl ügelnden Rocksongs aus seinem Berliner Hinterhof-Studio schweben zu lassen.

Mit Texten, die auf den ersten Blick wie Nonsens mit Spuren von Er-kenntnis wirken, ist seine Musik wohl eher etwas für Leute, die in der Lage sind, ja sich sogar darüber freuen, Pop und Rock zu genießen, ohne dass sie ihnen glitschig und mundgerecht auf die Zunge gelegt werden. Gehaltvolles, heißt es, solle 30-mal gekaut werden, um so die Nährstof-fe schon im Munde optimal aufzunehmen. So haben Vetters Verse das geschmacklich Filigrane von Rohkost und das unschuldig Perfektionisti-sche einer Makirolle. Sie sind hintersinnig versponnen und ungezwun-gen poetisch. Erlebtes melangiert mit Erfundenem. Weisheit clasht mit Zweifel. Durch Wehmut verbünden sich Humor und Melancholie.

Phil Vetter macht was er will, hat karrieremäßig nichts zu verlieren. In einem Leben, das in seinen Augen am Ende dann ein gutes gewesen sein wird, wenn der Tag erfüllt und die Nacht erfüllter sind von kreati-vem Spieltrieb und dem Drang, etwas sinnlos Schönes zu erschaff en, muss er nichts bedienen, verstrickt sich nicht im Nachliefern-Müssen und ewiger Selbst-Reproduktion wie manche seiner vermeintlich erfolg-reicheren Kollegen.

Er komponiert und gestaltet sein Musikgemälde selbst im eigenen Stu-dio, legt sich nicht fest, schränkt sich nicht ein. Er ist sich selbst ein Pro-duzent, Labelmanager, Fotograf und Grafi kdesigner. Unbeirrbar hält er an seiner zeitlosen und ganz eigenen Idee von Pop fest. Dabei ist Phil Vetter weder Independent noch DIY noch Alternativ oder Underground, er ist nicht Lo-Fi und nicht Hi-Fi. Phil Vetter ist Phil Vetter.

Support: Goya Royal

16.11.2017/ Einlass 19:30h / Beginn 20:30h

VKK 12€ zzgl. Gebühren / Reservierung 13€ (reservierung@milla-club.de, begrenztes Kontigent) / Abendkasse 15€

Karten- HIER