Konzert: Darjeeling & One Sentence. Supervisor

Darjeeling

Ein Oeuvre zwischen Tür und Angel, adoleszenter Verträumtheit, infantilem Gegluckse und repetitiver Brachialität. Was dahinterstecken soll, weiß die Gruppe Darjeeling meist dann am besten, wenn alle anderen es und sich mit ihr zusammen vergessen.
Jan Richard (git, voc), Markus Kresin (bass, voc) und Fabian Till (keys, voc, perc) kommen aus Wuppertal und spielen so ungezwungen, spielerisch und ansteckend auf, wie man es durchaus lange nicht gehört hat. Live und im Studio ergänzt Trommler Thorben Doege die Gruppe und ist mit seinem Schlagzeug unverzichtbarer Teil der Band. Was das Trio+ auf Tonträger und live anbietet, rangiert zwischen mehrstimmigem Progress-Pop, retroesk psychedelischer musique tempête und Hörspielintensität.

Will heißen, das zweite Album Hokus Pokus (Listenrecords, VÖ: 12.4.2019) setzt sich in seinen 13 Songs abermals in die Verquerungen des Spannungsfeldes ‚Unpop‘ – ‚Indie-Hipness‘ – ‚Rock‘. Es wechselt die Umlaufbahnen, bricht aber nicht mit dem Vibe des hier unbedingt berechtigten Mikrokosmos ‚Album‘. Hokus Pokus unternimmt einen Ausflug auf den glokalen Jahrmarkt und versetzt seine Hörer*innen immer wieder in Verwunderung und Schrecken.

 

One Sentence. Supervisor

«Acedia» heisst Zweifel, Erschöpfung der Seele, ein von Innen angefaulter Glaube. «Acedia» heisst das dritte Album von One Sentence. Supervisor. Das Phänomen Acedia hat seinen Ursprung im Mittelalter. Ins Heute übersetzt liesse sich Acedia als das dumpfe Unbehagen beschreiben, das dich überfallen kann, wenn du übers Wochenende für 25 Euro nach Barcelona fliegst und auf dem Weg zur Strandbar zufällig in eine Klimademo gerätst. Denn im Grunde wissen wir doch: Unser Lifestyle ist eine Farce, und sein Preis viel höher, als wir es jemals erfassen können. Doch wie verhalten wir uns zu unseren Privilegien? Was geht uns die Welt überhaupt an?

One Sentence. Supervisor sind schon immer durch smarten Aktivismus aufgefallen, genauso wie durch ihre Teilnahme an aktuellen Diskursen und der (musikalischen) Aufarbeitung gesellschaftlicher Phänomene. So sprechen auch die neuen Pressebilder des Quintetts eine klare Sprache: Es handelt sich dabei um stock photos, also gestellte Bilder von stereotypen Vorstellungen. Die fünf Musiker*innen stellen darauf einmal eine «Rockband» und einmal «erfolgreiche Geschäftsmänner/-frauen*» dar. Auf ganz einfache Weise behaupten sie damit etwas, was nicht der Realität entspricht, aber die in unseren Köpfen vorherrschende Vorstellung illustriert.

One Sentence. Supervisor sind neu zu fünft: Der virtuose Oud-Spieler Bahur Ghazi ist nun festes Mitglied der Band. Und die Multi-Instrumentalistin Sarah Palin (Phil Hayes And The Trees, Boytoy, JJ & Palin, u.v.m.), ersetzt Dominik Meuter am Schlagzeug. Produziert hat das neue Album der libanesisch/kanadische Produzent und Musiker Radwan Ghazi Moumneh (Hotel2Tango/Jerusalem In My Heart).

 

**präsentiert von: MunichMag

 

08.10.2019 // Einlass 19.00 Uhr // Beginn 20.00 Uhr

VVK 14€ zzgl Geb. // Abendkasse 17€

Tickets – HIER!